Die Ziele in der Gottman-Methode

Heilung und Neuaufbau der Beziehung durch emotionsfokussierte Zusammenarbeit, im Rahmen einer empathischen und akzeptierenden therapeutischen Allianz.

Überblick über die Paartherapie

Das Diagramm ist eine einfache Illustration der Paartherapie nach der Gottman-Methode. Alle drei Bereiche müssen bearbeitet werden, damit das Paar eine erfolgreiche Beziehung aufbauen kann. Natürlich ist es sehr wichtig zu lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen. Das bedeutet, dass die Paare herausfinden müssen, welche verborgenen Träume ihren Konflikten zugrunde liegen und welche Visionen sie von Freundschaft und Intimität haben. Die Steigerung des positiven Affekts ist dabei von zentraler Bedeutung. Und schließlich ist die Vertiefung des Bewusstseins der Partner, was ihrem Leben Sinn und Zweck verleiht, das ultimative Bindeglied zwischen ihnen.

Abbildung. Die drei Bereiche für therapeutische Ziele, die bidirektionale Einflüsse zeigen

Die drei Kreise überschneiden sich alle. Das Diagramm zeigt also, dass ein Therapeut/Berater die Konfliktfähigkeit nicht verbessern kann, ohne den Sinn zu verstehen und die Freundschaft des Paares zu vertiefen. Ebenso kann die Freundschaft nicht erweitert werden, ohne die Konfliktbewältigung zu verbessern. Das Bewusstsein für die gemeinsame Bedeutung unterstreicht sowohl die Intimität als auch den konstruktiven Umgang mit Konflikten und verleiht der Beziehung an sich schon Tiefe. Die Paartherapie nach der Gottman-Methode konzentriert sich auf alle drei Bereiche und stärkt sie.

Ziele der Paartherapie

Das erste Ziel in der Paartherapie besteht darin, die Sorgen und Emotionen, die ein Paar in die Therapiestunde mitbringt, zu bewerten und zu verstehen und die Beziehung aufzubauen, indem diese Emotionen im Rahmen einer empathischen und akzeptierenden therapeutischen Allianz genutzt werden. Wie die Emotionsfokussierte Therapie nach Dr. Sue Johnson ist auch die Paartherapie nach der Gottman-Methode emotionsfokussiert, erfahrungsorientiert und auf das Hier und Jetzt ausgerichtet. Die Paare bekommen aber auch explizit "Blaupausen" an die Hand, die von den Meistern der Beziehung gelernt wurden, um negative Konflikte abzubauen, positive Gefühle zu verstärken und einen gemeinsamen Sinn in der Beziehung zu schaffen. Anhand dieser "Blaupausen" haben der Therapeut/Berater und das Paar einen Leitfaden, der die notwendigen Fähigkeiten zum Erreichen der therapeutischen Ziele deutlich macht. Darüber hinaus gestaltet der Therapeut/Berater den Therapieprozess so dyadisch wie möglich, indem er als validierender, mitfühlender Emotionscoach und, wenn nötig, als "Übersetzer" der Gefühle und Bedürfnisse jedes Einzelnen in der Interaktion fungiert.

Nach den drei Beurteilungssitzungen beginnt jede Interventionssitzung mit dem, was das Paar einbringt, sei es ein Streit, das Bedürfnis nach einem Streit oder das Problem der emotionalen Distanz zwischen ihnen. Mit anderen Worten: Das vom Paar vorgebrachte Problem führt dazu, dass die Alternativen zu den ineffektiven Interaktionsmustern des Paares in den Mittelpunkt der Sitzung gestellt werden. Es handelt sich also nicht um eine präskriptive Paartherapie. Das Paar bestimmt den Weg, der eingeschlagen wird. Der Therapeut/Berater hat jedoch die Bausteine für die Brücken, die das Paar nutzen kann, um einander näher zu kommen und zufriedener miteinander zu werden.

Konflikte verändern

Das Paar wird konstruktive Wege zum Umgang mit Konflikten finden, die Intimität und Verständnis aus dem Konflikt heraus schaffen. Ein Teil der Erkenntnis, wie dieses Ziel erreicht werden kann, ist die Erkenntnis, dass nicht alle Konflikte gleich sind. Das sind die Unterziele um Konflikte zu verändern:

Partner sollen den Standpunkt des Partners/der Partnerin verstehen.
Der Therapeut/Berater stellt dazu die "Gottman Konflikt-Blaupause" vor und verwendet diese, um die Schritte der Konfliktbewältigung zusammenzufassen, beginnend mit der "Gottman-Rapoport-Intervention".

Eliminierung der Vier Reiter und diese durch ihre Gegenmittel ersetzen.
Die destruktiven Interaktionsmuster der vier Reiter der Apokalypse werden benannt, und es wird versucht, diese durch ihre Gegenmittel zu ersetzen. Das bedeutet auch, nicht mit der Arbeit an therapeutischen Veränderungen fortzufahren und dabei diese destruktiven Verhaltensweisen bei einem oder beiden Partnern zu ignorieren. Auf diesem Weg werden eskalierende Streitigkeiten herunterreguliert.

Von der Blockade zum Dialog über existenzielle Konflikte übergehen.
Die meisten Konflikte drehen sich um immerwährende Themen. In diesen Fällen hat das Paar entweder einen Zustand des "Dialogs" mit dem Thema erreicht, oder es befindet sich in einem Zustand des "Stillstands" um das Thema. Um das Paar von der Blockade zum Dialog zu bringen, wird die Intervention "Träume hinter dem Konflikt" verwendet, die den existenziellen Charakter des Konflikts anerkennt.

Die Entwicklung von sechs Fähigkeiten.
Um herauszufinden, was ein Paar bei einem bestimmten Thema fühlt und braucht, ist bei allen Konflikten zur konstruktiven Konfliktbewältigung die Entwicklung von sechs Fähigkeiten erforderlich.

  1. Sanfter Auftakt
  2. Einflussnahme akzeptieren
  3. Effektive Reparaturen während des Konflikts vornehmen
  4. Streitigkeiten de-eskalieren
  5. Kompromisse schließen
  6. Physiologische Beruhigung von sich selbst und dem Partner

Verarbeiten von Streit und bedauerlichen Vorfällen.
Das Paar ist dadurch in der Lage, Streitigkeiten und bedauerliche Vorfälle mit Hilfe der Intervention "Nachbeben eines Streits oder bedauerlichen Vorfalls" zu verarbeiten. Diese Intervention dient dazu, vergangene Streits, bedauerliche Vorfälle oder emotionale Verletzungen zu verarbeiten. "Verarbeiten" bedeutet, dass das Paar über den Vorfall sprechen kann, ohne ihn wieder aufzugreifen. 

Das häufigste immerwährende Problem.
Ein großer Teil der Dauerkonflikte hängt mit der Überbrückung von Meta-Emotionen zusammen. Am besten funktioniert das mit Emotionscoaching und der Heilung von Bindungsverletzungen, die durch Untreue, Abwendung oder Ablehnung von Angeboten für emotionale Verbindungen entstanden sind. In jedem Konflikt gibt es ein Gespräch, das das Paar hätte führen müssen, aber stattdessen kam es zum Streit. Dieses Gespräch, bei dem die Emotionen und die zugrunde liegenden Bedeutungen in den Mittelpunkt gestellt werden, bildet die Brücke zwischen Konflikt und Freundschaft/Intimität.

Freundschaft und Intimität stärken

Das Paar baut Freundschaft, Intimität und positive Affektsysteme (Spiel, Humor, Zuneigung, Romantik, Leidenschaft, sexuelle Intimität, Abenteuer) auf und pflegt sie. Dazu gibt es viele Interventionen, welche dem Paar dabei helfen, Freundschaft und mehr Intimität aufzubauen.

Angebote für eine Verbindung annehmen.
Das Paar wird in der Lage sein, miteinander über seine Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen und sich bewusster zu machen, wie der Partner/die Partnerin Angebote macht und auf Angebote für emotionale Verbindungen eingeht (anstatt sich abzuwenden und abzulehnen). Das Paar wird sein "emotionales Bankkonto" aufbauen.

Zu den Unterkompetenzen gehören außerdem:

  • Erstellen von Partner-Landkarten
  • Aufbau einer Kultur der Zuneigung und Bewunderung

Das Ziel ist es, die Art und Weise zu verändern, wie Paare gemeinsam durch die Zeit gehen.

Verarbeitung gescheiterter Angebote für eine Verbindung.
Das Paar wird in der Lage sein, gescheiterte Versuche, eine emotionale Verbindung aufzubauen, zu verarbeiten und Verletzungen von Sicherheit und Bindung zu heilen.

  • Bewusst positive Affektsysteme aufbauen
  • Stressabbau
  • Lernen, wie man Zuneigung, Romantik, Leidenschaft und guten Sex aufbaut
  • Den Sinn des Paares für Abenteuer, Spiel, Spaß und Humor wiederherstellen

Gemeinsame Bedeutung schaffen

Das Paar baut ein System der gemeinsamen Bedeutung auf und erhält es aufrecht. Dazu werden Rituale aufgebaut und Prioritäten gesetzt, dafür was dem Paar in seinem Leben wichtig ist und was ihnen eine sinnvolle Verbindung gibt.

Rituale der Verbindung.
Das Paar schafft bewusst zentrale Rituale der emotionalen Verbindung, sowohl informell als auch formell. Diese Rituale geben dem Paar etwas, worauf es sich freut - eine Möglichkeit, sich auf eine Art und Weise miteinander zu verbinden, die für das Paar von Bedeutung ist.

Gemeinsames Ziel beim Aufbau eines gemeinsamen Lebens.
Aufbau eines gemeinsamen Bedeutungssystems, indem sich das Paar bewusst wird, welche Ziele, Narrative, Missionen, Symbole, Kulturen und Traditionen es hat, und welche davon ihnen gemeinsam sind. Das Paar baut sein gemeinsames Sinnsystem auf, indem es seine gemeinsamen Ziele, Erzählungen, Missionen, Symbole, Kulturen und Vermächtnisse bewusst macht.

Zusammenfassung

Die drei Bereiche um die grundlegenden Systeme der Beziehung zu stärken:

Konfliktmanagement

Zuerst ist es sehr wichtig zu lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen. Genauso wichtig ist es aber auch, an der Vertiefung von Freundschaft, Intimität und positiven Gefühlen in der Beziehung zu arbeiten.

Freundschaft/Intimität
Positive Wirkung

Das Paar findet heraus, welche verborgenen Träume seinen Konflikten zugrunde liegt und welche Visionen es für Freundschaft und Intimität hat. Die Steigerung des positiven Affekts ist dabei von zentraler Bedeutung.

Gemeinsamer Sinn

Und schließlich ist die Vertiefung des Bewusstseins der Partner darüber, was ihrem Leben Sinn und Zweck verleiht, das ultimative Bindeglied zwischen ihnen. Diese drei Bereiche überschneiden sich alle.

Diese drei Bereiche fassen zusammen, was mehr als 3.000 Paare Dr. Gottman in der Forschung darüber gelehrt haben, was ihre Beziehungen stärkt. Eine Vielzahl an Interventionen schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Paare erfolgreich sind.

Diese Instrumente können nach Belieben eingesetzt werden. Sie sind nicht dazu gedacht, in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt zu werden, denn es liegt am Einfühlungsvermögen des Therapeuten/Berater, zu entscheiden, welches Instrument zu einem bestimmten Zeitpunkt am besten zu den Bedürfnissen eines Paares passt. Durch den Überblick auf dieser Seite erhältst du hoffentlich einen Eindruck von der Beziehungsarbeit nach der Gottman-Methode, und welchen Ansatzpunkt sie bietet, um die Beziehungen der Paare, die sich dafür entscheiden, zu heilen und zu verbessern.

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